Feindbild Islamkritik: Wenn die Grenzen zur Verzerrung und Diffamierung überschritten werden
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Leidenschaftlich, informativ, überfällig!
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Feindbild Islamkritik: Wenn die Grenzen zur Verzerrung und Diffamierung überschritten werden (Taschenbuch) Parallel zu den zunehmend virulenter werdenden Problemen in Europa, die ein erstarkender Islam mit sich bringt, ist in den letzten Jahren ein bemerkenswertes literarisches Genre entstanden: Veröffentlichungen aus dem akademischen Establishment, in denen ein "Feindbild Islam" heraufbeschworen wird, das der Westler sozusagen mit der Muttermilch einsauge und das seinen Blick auf alles Muslimische von vornherein in einem solchen Maße verzerre, dass seine Sorgen und Bedenken in Bezug auf eine Re-Religiosisierung der Gesellschaft allenfalls als Symptome einer kollektiven Hysterie betrachtenswert erscheinen. Stellvertretend für diese Literatur seien die Namen Kay Sokolowsky und Thorsten G. Schneiders genannt. Das Erfolgsrezept: Der Leser muss sich nicht mit sozialen Wirklichkeiten auseinandersetzen, die brutal, unschön und desillusionierend sein können und darf stattdessen weiter Nabelschau betreiben.

Nun holt mit "Feindbild Islamkritik" eine an der gesellschaftlichen Basis an Fahrt aufnehmende Bewegung zum Gegenschlag aus: Linke, Ex-Muslime, Islamwissenschaftlerinnen, Soziologen, Politikwissenschaftler, Pädagogen, profilierte Namen wie Ralph Giordano und Mina Ahadi, vor allem aber Personen aus der Praxis schreiben aus unterschiedlichen Perspektiven sowohl über den real existierenden Islam als auch über die systematische und teils mutwillige Ignoranz des Establishments. Herausgekommen ist dabei ein bunter und durchaus auch heterogener Strauß an intellektuell anspruchsvollen, emotional-bissigen, sorgfältig recherchierten wie leidenschaftlichen und durchweg lesenswerten Auseinandersetzungen mit einem Thema, das Europa zunehmend bewegt. Der gemeinsame Nenner wurde dabei in einem gelungenen Cover "eingefangen": Das Erbe der Aufklärung und der Einsatz für eine säkulare Gesellschaft und die Freiheit des Individuums.

Trotz kaum vermeidbarer Redundanzen halte ich das Buch für ein erfrischendes und wertvolles zeitgeschichtliches Gegendokument zu einer historischen Epoche der Wirklichkeitsverweigerung und verkorksten Debattenkultur. Aufgrund einiger wirklich herausragender Artikel und nicht zuletzt, um die Initiative zu einem solchen längst überfälligen Buch zu honorieren, vergebe ich 5 Sterne.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 25. Oktober 2010
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