Das Gesellschaftswunder. Wie wir Gewinner des Wandels werden


 
Wider die Diktatur des Marktes: Globalisierung ist kein unabwendbares Schicksal.
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Das Gesellschaftswunder. Wie wir Gewinner des Wandels werden (Gebundene Ausgabe) Kennen Sie die "Pferde-Spatz-Philosophie", fragt Wolfgang Kessler im Vorwort des Buches?

Die Vertreter dieser - auch als "Pferdeäpfeltheorie" oder "trickle-down-theory" bekannten - These behaupten, dass durch das permanente Wirtschaftswachstum etwas vom Reichtum der Reichen nach und nach in die unteren Schichten der Gesellschaft durchsickert. Die "logische" Schlussfolgerung für die Verkäufer dieser Theorie lautet dann auch: Man muss den großen Pferden (also den Reichen bzw. neudeutsch den Leistungsträgern oder auch Eliten) nur genug Hafer geben, dann würden hinten auch genügend Pferdeäpfel mit einigen unverdauten Körnern als Futter für die vielen kleinen Spatzen herauskommen. Diese - auf den ersten Blick durchaus plausibel erscheinende - wirtschaftspolitische Theorie ist der Kern dessen, was Kritiker als "Neoliberalismus" bezeichnen.

Diesem neoliberalen Glaubensbekenntnis zufolge, das sich etwa seit Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts in der Ökonomie und der Politik ausbreitete und fast die ganze Welt infiziert hat, muss der Markt also von allen staatlichen Beschränkungen und anderen Hemmnissen befreit werden, mit anderen Worten:

Arbeitnehmerrechte und Schutzvorschriften für die vielen Spatzen müssen dereguliert und flexibilisiert, Sozialleistungen für die Spatzenkinder gekürzt, staatliche Leistungen und die öffentliche Infrastruktur privatisiert, der Verbraucherschutz zurückgefahren, Krankenhäuser zu gewinnmaximierenden Profitcenter umstrukturiert und vor allem die Steuern für die schwerreichen Gäule müssen ständig gesenkt werden. Denn nach dem Dogma der Neoliberalen ist der Markt unfehlbar und schafft aus sich selbst heraus eine höhere und bessere Welt - folglich ist alles schlecht, was dieses "freie Spiel der Kräfte" stört. Das gilt selbstverständlich auch für die Demokratie: Auch die Demokratie stört dieses freie Spiel der Kräfte.

Allerdings werden inzwischen nicht nur die Spekulationsblasen immer größer und die real existierenden Finanz- und Wirtschaftskrisen zunehmend heftiger, es wächst auch die Zahl der Ungläubigen, die dieses neoliberale Dogma in Frage stellen, da die reichen Gäule zwar immer reicher und reicher werden, aber bei den vielen Spatzen trotzdem immer weniger ankommt. Auch der Autor gehört zu diesen kritischen Denkern, die sich die reale Welt nicht zurechtbiegen, damit sie irgendwie zu dieser Theorie passt, sondern die Realität analysieren und dann ihre Schlussfolgerungen daraus ziehen.

Der Autor entlarvt daher auch die zahlreichen scheinbar unwiderlegbaren Behauptungen, die täglich auf die Menschen niederregnen, als das, was sie sind: Mythen, die einseitig nur die Interessen einer schwerreichen und mächtigen Minderheit in den Köpfen der Mehrheit verankern wollen. Dazu gehört auch der "Publikumslobbyismus", wie der Autor die offene und versteckte Einflussnahme z.B. der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM) auf die Politik und die öffentliche Meinung bezeichnet. Aber auch sog. "beratende" Initiativen wie der "Bürgerkonvent", der "Kronberger Kreis", der "Konvent für Deutschland", die "Stiftung Marktwirtschaft" und "berlinpolis e.V." gehören dazu.

Und dann beschreibt der Autor, was sich viele Menschen im Lande der Dichter und Denker schon fast nicht mehr trauen: dass es nämlich Alternativen zum totalen Markt gibt, obwohl die neoliberalen Eliten die Diktatur des Kapitals permanent als alternativlos darstellen (TINA = "There is no alternative" bzw. "Es gibt keine Alternative"), und dass diese Alternativen weder etwas mit Sozialismus noch mit Planwirtschaft zu tun haben, wie die neoliberalen Think Tanks und Eliten in diesem Lande ebenfalls unentwegt behaupten. (Im real existierenden Sozialismus hat übrigens die herrschende Nomenklatura auch ständig behauptet, es gäbe keine Alternative zum Sozialismus.)

Auf der Grundlage seiner Analyse stellt der Autor 30 "Lichtblicke", wie er diese Initiativen und Ideen nennt, zu denen z.B. die Initiative LobbyControl gehört, aber vor allem die in Frankreich gründete Nichtregierungsorganisation "attac". Und auch mit einfachen Bürgerentscheiden können sich die Bürger vor Ort gegen die Privatisierung kommunaler Einrichtungen wehren und sich ein Stück Gemeinwesen und Demokratie zurückholen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 22. Juni 2010
Kundenrezensionen:
3. Wider die Diktatur des Marktes: Globalisierung ist kein unabwendbares Schicksal. (die aktuell angezeigte Rezension)
2. Eine hervorragende Grundlage für kooperative, nutzvolle Zukunfts-Diskussionen.
1. Endlich mal ein positives politisches Buch
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