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| Die Machtfrage: Ansichten eines Nichtwählers
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Bitte nicht wählen (Partei & Buch)
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Die Machtfrage: Ansichten eines Nichtwählers (Taschenbuch) och, eine Sache ist verdienstvoll an Gabor Steingarts Buch "Die Machtfrage": Es ruft vorsichtig zur Wahlverweigerung auf und erklärt das Nicht-Wählen zum demokratischen Akt. Das ist angesichts der sonstigen Gebetsmühlen schon reichlich viel. Allerdings hätte man die Botschaft auch per Postkarte verbreiten können oder als Werbebanner auf Spiegel-Online. Denn ansonsten gibt das Buch nicht viel sinnvolles her. "Die Wiederwahl von SPD, CDU und all der anderen Parteien würde derzeit nicht Erneuerung, sondern die Fortsetzung der Erstarrung in Deutschland bedeuten." Gabor Steingart fordert ein Innehalten, will den Parteien mit der Wahlenthaltung "eine Gesprächsaufforderung" übermitteln, "ohne persönlich werden zu müssen". Nie sei die Gelegenheit so günstig wie jetzt nach der Großen Koalition. Die Lanze für den Nichtwähler zu brechen ist wirklich ein Verdienst. Leider hat Steingart aber nicht nur einen Essay im Spiegel geschrieben (dort gab es in Ausgabe 11/2009 stattdessen einen belanglosen Auszug aus diesem Buch vorab als Werbeversuch), sondern noch knapp 200 - luftige - Seiten drum herum geschrieben. Davon ist vieles langweilige und manches großer Quatsch. Er porträtiert Kanzlerin und Vizekanzler sowie Vorgänger, wie es in jeder Spiegel-Ausgabe irgendwie zu finden ist. Die Linkspartei taucht auch im Buch als der Demokratieschreck auf, mit dem niemand spielen darf. Fakten werden in Spiegel-Manier aus dem Hut gezogen, etwa wenn Friedrich Ebert kurz und knapp als "der ehemalige Kneipenpächter und Sattlergeselle, der die begonnene Meisterprüfung nicht zu Ende brachte" vorgestellt wird. Richtig heikel wird es allerdings, wenn Steingart sich wirklich an die "Machtfrage" macht und dabei völlig übersieht, dass dazu die viel wichtigere "Untertanfrage" gehört. Herrschaft kann es nur geben, wo sich Wesen beherrschen lassen. Es gehört zur ethologischen Erfolgsstrategie aller Sozialverbände, dass es neben einigen wenigen Herrschsüchtigen sehr viele Mitläufer gibt. Aber damit befasst sich Steingart nicht. Stattdessen lamentiert er: "Die alten Nazis liegen in der Gruft und ihre Mitläufer im Grab nebenan. Die neuen Nazis sind unschön für das demokratische Deutschland, aber ungefährlich für seine Stabilität." Hätte es Steingart und seine Spiegel-Kollegen schon "damals" gegeben, alles wäre ganz anders verlaufen, easy Job für solche Top-Journalisten. Ernsthaft sinniert er, wie man einen Hitler heute richtig ran nehmen würde: "Womit begründen Sie Ihren Hass auf Bürger jüdischen Glaubens? Warum spielt sich ein Österreicher als Deutschester aller Deutschen auf? Wieso brüllen Sie selbst in kleinster Gesellschaft?" Leider ist Steingarts Spiegel nicht in der Lage, einem der kleinen, ungefährlichen aber unschönen Neunazis adäquate Fragen zu stellen und auf dem Titel als "Psychopath" zu bezeichnen, wie er sich das für Hitler ausmalt.
Weil Steingart zwar vielleicht die Machtfrage stellt, aber keinerlei brauchbare Antworten darauf findet, ist sein Buch so vollkommen uninnovativ. Ans Ende klatscht er noch sieben Vorschläge für "die Reform des politischen Systems" - sämtlich alt, abgestanden und an der gegenwärtigen Demokratiediskussion völlig vorbei. Nein, es geht nicht mehr darum, ob man an den Landeslisten für den Bundestag irgendetwas schrauben kann, es geht um echte Alternativen zur Parteienoligarchie. Aber da zeigt sich Steingart überhaupt nicht informiert, da kann er nicht mit seinem Insiderwissen aus Berlin oder Washington trumpfen. Seine sechs Seiten Literaturliste enthalten Establishment-Lyrik. Aber selbst ein Parteienkritiker von Arnim fehlt, von Florian Felix Weyh's "Die letzte Wahl" ganz zu schweigen.
Das wäre für einen Besinnungsaufsatz nicht tragisch. Aber von dem Journalist, der laut Eigenwerbung "eines der einflussreichsten Bücher der letzten Jahre" geschrieben hat (womit ausgerechnet "Deutschland - Der Abstieg eines Superstars" gemeint ist) darf man erwarten, dass er etwas mehr auf der Höhe ist.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 27. März 2009 | | |
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